Unsere Einordnung zwischen Haltung und Marketing
Nachhaltigkeit ist im Design angekommen – zumindest sprachlich. Kaum ein Produkt, das heute nicht mit Begriffen wie „nachhaltig“, „eco“, „bewusst“ oder „grün“ beschrieben wird. Gleichzeitig wächst die Unsicherheit: Was davon ist wirklich nachhaltig – und was bleibt bloßes Marketing?
Für uns bei mingbud ist diese Frage zentral. Nicht, weil wir perfekte Antworten haben, sondern weil wir glauben, dass ehrliche Einordnung wichtiger ist als große Versprechen. In diesem Artikel teilen wir unsere Perspektive darauf, wie wir nachhaltiges Design von Greenwashing unterscheiden – und warum diese Abgrenzung so wichtig ist.
Warum Greenwashing im Design so präsent ist
Nachhaltigkeit ist zu einem Verkaufsargument geworden. Das ist einerseits ein gutes Zeichen – denn es zeigt, dass sich Werte verschieben. Andererseits entsteht genau hier ein Problem: Wo Begriffe nicht klar definiert sind, entsteht Interpretationsspielraum.
Greenwashing beginnt für uns nicht bei böser Absicht, sondern oft bei:
- vereinfachten Aussagen
- selektiver Kommunikation
- fehlender Einordnung
Nachhaltigkeit wird dann erzählt, ohne sie wirklich zu erklären.
Unser Verständnis von Greenwashing
Für uns ist Greenwashing kein einzelner Fehltritt, sondern ein Muster. Es zeigt sich dort, wo Nachhaltigkeit kommuniziert, aber nicht konsequent gedacht wird.
Greenwashing liegt aus unserer Sicht vor, wenn:
- einzelne nachhaltige Aspekte hervorgehoben werden, während andere ausgeblendet bleiben
- Begriffe genutzt werden, ohne sie zu konkretisieren
- Nachhaltigkeit als Image, nicht als Haltung verstanden wird
Entscheidend ist dabei nicht, ob ein Produkt irgendetwas richtig macht, sondern wie ehrlich damit umgegangen wird.
Warum nachhaltiges Design mehr als ein Label ist
Nachhaltiges Design ist für uns kein Häkchen auf einer Checkliste. Es ist eine Haltung, die sich durch viele Entscheidungen zieht – vom Material über die Produktion bis zur Nutzung und Weiterverwendung.
Ein Produkt wird aus unserer Sicht nicht nachhaltig, nur weil:
- ein Material ausgetauscht wurde
- ein Zertifikat genannt wird
- ein grünes Wording verwendet wird
Nachhaltiges Design entsteht dort, wo Zusammenhänge verstanden und transparent gemacht werden.
Typische Anzeichen für Greenwashing im Design
Greenwashing lässt sich nicht immer eindeutig erkennen. Es gibt jedoch Muster, die wir kritisch hinterfragen.
1. Vage Aussagen ohne Einordnung
Begriffe wie „umweltfreundlich“ oder „nachhaltig produziert“ bleiben oft unkonkret. Wenn nicht erklärt wird, warum ein Produkt nachhaltig sein soll, fehlt die Grundlage für eine bewusste Entscheidung.
2. Fokus auf einzelne Aspekte
Ein Produkt wird als nachhaltig beworben, weil ein Material recycelt ist – während:
- die Produktion energieintensiv ist
- Reparierbarkeit keine Rolle spielt
- der Rest des Produkts konventionell gedacht ist
Einzelne Fortschritte sind wichtig, sollten aber nicht das Gesamtbild verzerren.
3. Nachhaltigkeit als Trendthema
Wenn Nachhaltigkeit vor allem dann auftaucht, wenn sie sich gut vermarkten lässt, wird sie schnell zur leeren Hülle. Für uns zeigt sich Haltung vor allem dort, wo sie konsequent und langfristig gelebt wird.
Unsere Sicht auf Nachhaltigkeit: ehrlich statt perfekt
Wir glauben nicht an perfekte Produkte. Gerade im Design ist Nachhaltigkeit oft ein Abwägen zwischen verschiedenen Faktoren. Wichtig ist für uns deshalb nicht, ob ein Produkt alles richtig macht, sondern:
- ob Entscheidungen nachvollziehbar sind
- ob Grenzen benannt werden
- ob Entwicklung möglich ist
Ehrlichkeit ist für uns der wichtigste Gegenpol zu Greenwashing.
Warum Transparenz für uns der Schlüssel ist
Transparenz bedeutet für uns nicht, jede Entscheidung zu rechtfertigen. Sie bedeutet:
- Materialien offen zu benennen
- Produktionsorte zu kommunizieren
- Zusammenhänge verständlich zu erklären
Ein Produkt darf Schwächen haben – problematisch wird es erst, wenn diese verschwiegen oder überdeckt werden.
Greenwashing vermeiden heißt Verantwortung teilen
Nachhaltigkeit ist komplex. Wir erwarten nicht, dass jede:r Hersteller:in alle Antworten hat. Was wir erwarten, ist der Wille zur Auseinandersetzung.
Greenwashing vermeiden heißt für uns:
- Verantwortung nicht auszulagern
- Nachhaltigkeit nicht zu vereinfachen
- Konsument:innen ernst zu nehmen
Nur so entstehen langfristig Vertrauen und echte Veränderung.
Wie wir bei mingbud mit dieser Verantwortung umgehen
Bei mingbud kuratieren wir Produkte, die wir nachvollziehen können. Das heißt nicht, dass jedes Produkt perfekt ist – aber jedes Produkt muss ehrlich einordenbar sein.
Wir fragen nach:
- Materialien
- Produktionsbedingungen
- Lebensdauer
- Möglichkeiten zur Reparatur oder Weiterverwendung
Und wir kommunizieren diese Informationen so, dass sie verständlich bleiben.
Fazit: Nachhaltiges Design braucht Einordnung statt Inszenierung
Für uns liegt der Unterschied zwischen nachhaltigem Design und Greenwashing nicht im Anspruch, sondern im Umgang mit Realität. Nachhaltiges Design bedeutet für uns, Verantwortung zu übernehmen – auch dort, wo Dinge noch nicht ideal sind.
Greenwashing beginnt dort, wo Nachhaltigkeit zur Inszenierung wird.
Nachhaltiges Design beginnt dort, wo Gestaltung ehrlich bleibt.